Wettbewerb „Jugend wirtschaftet!“ 2026: Junge Perspektiven auf Rente, Kapitalmarkt und nachhaltige Wirtschaft

Stiftung Finanzbildung verleiht Klaus-Hildebrand-Preis

Wie bleibt die Rente finanzierbar? Welche Rolle spielen Robo-Advisors für Kleinanleger? Wie verändert sich die deutsche Automobilindustrie durch neue Lieferkettenstrategien? Und wann wird Nachhaltigkeit für Unternehmen zum echten Erfolgsfaktor? Mit diesen und weiteren Fragen haben sich die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs „Jugend wirtschaftet!“ auseinandergesetzt.

Der Wettbewerb der Landshuter Stiftung Finanzbildung richtet sich an Schülerinnen und Schüler der bayerischen Oberstufe. Eingereicht werden können herausragende Seminararbeiten aus dem Fach Wirtschaft. Auch in diesem Jahr zeigte sich: Ökonomische Bildung ist weit mehr als Theorie. Sie befähigt junge Menschen, aktuelle Entwicklungen einzuordnen, kritisch zu analysieren und eigene Urteile zu bilden.

Mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurde Jona Buechler von der BOS Weißenburg mit seiner Arbeit „Gut leben im Alter durch kapitalgedeckte Rente – welche Potenziale bieten unterschiedliche Möglichkeiten der Kapitaldeckung?“. Er setzt sich mit einer der zentralen Zukunftsfragen der Sozialpolitik auseinander: Wie kann Altersvorsorge gelingen, wenn das umlagefinanzierte Rentensystem durch den demografischen Wandel zunehmend unter Druck gerät? In seiner Arbeit untersucht er unter anderem Riester-Fondssparpläne und eine ETF-basierte Aktienrente. Besonders klar wird dabei sein Grundgedanke: Kapitalgedeckte Vorsorge kann die gesetzliche Rente nicht ersetzen, aber sie wird für kommende Generationen immer wichtiger. Buechler arbeitet heraus, dass ein sinkendes Rentenniveau und eine steigende Armutsgefährdung im Alter die Notwendigkeit zusätzlicher Kapitaldeckung deutlich machen.

Gleich mehrere zweite Plätze wurden punktgleich vergeben. Lillian Bachmaier vom Goethe-Gymnasium Regensburg widmete sich Daniel Kahneman und der Prospect Theory. Ihre Arbeit zeigt, wie stark wirtschaftliche Entscheidungen von Psychologie geprägt sind. Ausgangspunkt ist die Abkehr vom rein rational handelnden „homo oeconomicus“. Bachmaier fragt, ob Kahnemans Theorie auch heute noch relevant ist, und überprüft dies mit einer eigenen Umfrage unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Damit verbindet sie wirtschaftswissenschaftliche Theorie mit empirischem Arbeiten und zeigt, dass Finanzbildung auch bedeutet, das eigene Entscheidungsverhalten besser zu verstehen. Michael Hettler von der BOS Landshut untersuchte „Robo-Advisors als Möglichkeit Geld anzulegen“. Er verglich automatisierte digitale Vermögensverwaltung mit aktiv gemanagten Fonds und einer eigenständig zusammengestellten Anlagestrategie. Sein Ergebnis ist differenziert: Wer maximale Rendite sucht, kann mit Eigenverwaltung Vorteile erzielen, muss aber höhere Schwankungen, mehr Zeitaufwand und psychologische Belastung tragen. Robo-Advisors dagegen punkten vor allem bei Einfachheit, Automatisierung und Risikobegrenzung. Für Kleinanleger könne diese Form der Geldanlage deshalb besonders dann attraktiv sein, wenn Fachwissen und Zeit begrenzt sind.

Jonas Lehr vom Theresien-Gymnasium Ansbach analysierte in seiner Arbeit „Die deutsche Automobilindustrie im Wandel“ die Auswirkungen von Rückverlagerungen auf die deutsche Automobilindustrie. Er beschreibt eine Branche im Spannungsfeld von Globalisierung, geopolitischen Risiken, Elektromobilität und Standortkosten. Sein Fazit fällt bewusst nüchtern aus: Rückverlagerung ist kein flächendeckender Trend, sondern vor allem eine selektive, strategisch motivierte Entscheidung einzelner Unternehmen. Vorteile wie resilientere Lieferketten und mehr Nachhaltigkeit stehen hohen Kosten, Fachkräftemangel und Bürokratie gegenüber.

Auch die dritten Plätze zeigen die thematische Breite des Wettbewerbs. Leonard Dankesreiter von der FOS Regen fragte, inwiefern Nachhaltigkeit zum Erfolg junger Start-ups beiträgt. Am Beispiel des regionalen Unternehmens reBricker aus Landau an der Isar untersuchte er, wie technische Innovation und ökologische Verantwortung zusammenwirken können. Seine Arbeit macht deutlich: Nachhaltigkeit ist für junge Unternehmen nicht nur ein Imagefaktor. Sie kann in Geschäftsmodell, Kundennutzen und Finanzierungschancen hineinwirken, sofern sie glaubwürdig belegt wird.

Xaver Rübsam vom Ignaz-Taschner-Gymnasium Dachau verglich Tradingstrategien für Schüler und Studenten. Scalping, Daytrading und Swingtrading bewertete er anhand von Risiko, erwarteter Rendite, Zeitaufwand, Kapitalbedarf, psychologischer Belastung und notwendigem Know-how. Besonders überzeugend ist der lebensnahe Zugang: Rübsam berücksichtigt begrenztes Kapital, schwankende Zeitfenster und emotionale Reaktionen junger Anleger. In seiner Gesamtbewertung schneidet Swingtrading am besten ab, weil es weniger permanente Marktbeobachtung verlangt und ein günstigeres Verhältnis von Aufwand und Risiko bietet.

Melissa Stecklein von der FOS BOS Kelheim untersuchte, ob Nachhaltigkeit den Unternehmenserfolg positiv beeinflusst. Am Beispiel der Heidrive GmbH betrachtet sie ökonomische, ökologische und soziale Dimensionen. Ihre Arbeit zeigt beide Seiten: Nachhaltigkeit kann zunächst hohe Investitionen und organisatorischen Aufwand bedeuten. Gleichzeitig entstehen Chancen durch Ressourceneffizienz, Kundenbindung, Arbeitgeberattraktivität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Damit vermeidet sie einfache Antworten und entwickelt ein abgewogenes Bild unternehmerischer Verantwortung.

Christina Weber von der FOS Regen beschäftigte sich mit dem Weg „Von einer belanglosen Idee hin zum erfolgreichen Unternehmen“. Am Beispiel der Nutrisen GmbH aus Straubing analysiert sie typische Phasen des Start-up-Prozesses, von der Ideenfindung über Marktanalyse und Finanzierung bis zu Wachstum und Skalierung. Besonders praxisnah ist ihr persönlicher Zugang: Das Interesse entstand auch aus dem eigenen landwirtschaftlichen Umfeld und der Frage, wie Landwirtschaft nachhaltiger und innovativer gestaltet werden kann.

Die prämierten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie wach und analytisch junge Menschen auf wirtschaftliche Gegenwartsfragen blicken. Sie behandeln Altersvorsorge, Kapitalmarkt, Digitalisierung, Unternehmensgründung, Nachhaltigkeit und Industriepolitik nicht abstrakt, sondern mit Bezug zur eigenen Lebenswelt und zu konkreten Entscheidungen. Der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Prof. Dr. Erwin Blum, Juryleiter, attestiert, dass „die vorgelegten Arbeiten immer anspruchsvollere Themen aufgreifen und teilweise ausgezeichnet bearbeitet werden“. Wichtig ist dem Vorsitzenden der Jury aber auch, dass die Wettbewerbsteilnehmer zu einer Conclusio kommen, also ein wissenschaftsorientiertes Fazit ziehen und ein Resultat aus den Fakten ableiten.

Der Klaus-Hildebrand-Preis würdigt genau diese Verbindung von Wissen, Urteilskraft und Engagement. Er erinnert an den Münchner Unternehmer Klaus Hildebrand, der sich zeitlebens für den Austausch zwischen Wirtschaft und Bildung eingesetzt hat. Mit „Jugend wirtschaftet!“ führt die Stiftung Finanzbildung diesen Gedanken fort: Junge Menschen sollen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen, kritisch hinterfragen und eigene Lösungsansätze entwickeln.

Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger zeigen, dass diese Idee lebendig ist. Ihre Arbeiten sind ein starkes Plädoyer für mehr Finanzbildung, mehr ökonomische Urteilskraft und mehr Vertrauen in die analytische Stärke der jungen Generation.