Studierende wünschen sich ein Banken”Revolution”

Essay von Edmund Pelikan – Erkenntnis aus einer Diskussion mit Studierenden

Im meinem Lehrauftrag an der Hochschule Landshut im Seminar “Du bist Wirtschaft!” diskutierten wir im Kapitel “Unternehmen und Innovation” das Thema “Banken 2040”. Spannend war zu erleben, wie die Fachkräfte von morgen die Finanzwelt der Zukunft sehen und damit ihre Zukunft im Umgang mit Banken. Erstaunlich zunächst – sie haben keine Lust mehr auf Banken. Wer jungen Menschen zuhört, erkennt schnell: Das Problem der Banken ist nicht die Digitalisierung. Das Problem ist die Relevanz von Banken.

In einer Gruppenarbeit zum Thema „Die Bank meines Lebens 2040“ wurde deutlich, wie weit die Erwartungen der Generation Z inzwischen von den Strukturen vieler Kreditinstitute entfernt sind. Die Teilnehmer formulierten keine Vision einer besseren Filiale, keiner schöneren Kreditkarte und auch keine Forderung nach mehr Bankberatern. Stattdessen beschrieben sie eine Finanzwelt, die sich nahtlos in ihren digitalen Alltag einfügt.

Die Wunschliste klingt dabei nahezu schon teilweise umgesetzt und erfüllt: kostenlose Konten, Echtzeitüberweisungen, kontaktloses Bezahlen, transparente Gebühren, jederzeitiger Zugriff per Smartphone und ein Kundenservice, der sofort reagiert. Was von Banken oft als Innovation verkauft wird, betrachten viele Studierende längst als Selbstverständlichkeit.

Bemerkenswert ist jedoch, was darüber hinaus gefordert wird. Die Fachkräfte der Zukunft wünschen sich Unterstützung beim Vermögensaufbau, einfache Möglichkeiten zum Investieren, nachhaltige Anlageangebote und mehr Finanzbildung. Die implizierte Forderung: Die Bank soll nicht nur Geld verwalten, sondern helfen, finanzielle Entscheidungen besser zu treffen.

Dabei verschiebt sich das Verständnis von Beratung grundlegend. Die heutigen Studierenden erwartet keine festen Beratungstermine in einer Filiale. Sie möchte digitale Unterstützung genau dann, wenn sie gebraucht wird. Künstliche Intelligenz wird dabei zunehmend als natürlicher Finanzcoach verstanden – nicht als Bedrohung, sondern als Service. Budgetplanung, Sparvorschläge, Risikoanalysen oder Investmentempfehlungen könnten nach Vorstellung der Studierenden künftig von intelligenten Systemen übernommen werden. Ein Mensch soll aber als Chatpartner bei Problemen erreichbar bleiben.

Noch spannender sind die Vorstellungen für das Jahr 2040. Die Teilnehmer rechnen mit einer weitgehend digitalen Finanzwelt. Geld werde stärker digitalisiert und tokenisiert sein, neue Geldformen wie der digitale Euro könnten selbstverständlich werden. Klassische Filialbanken würden seltener, während Plattformen, FinTechs und technologiegetriebene Anbieter an Bedeutung gewinnen. Einige Studierende gehen sogar davon aus, dass Banken künftig eher als unsichtbare Infrastruktur im Hintergrund existieren.

Die vielleicht tiefgreifendste Erkenntnis betrifft jedoch das Thema Vertrauen.

Jahrzehntelang war Vertrauen die zentrale Währung der Bankenbranche. Doch dieses Vertrauen verlagert sich. Es entsteht nicht mehr automatisch durch repräsentative Gebäude, lokale Präsenz oder persönliche Bekanntheit des Beraters. Vertrauen entsteht durch Nutzerfreundlichkeit, Datensicherheit, Transparenz und funktionierende Technologie. Die Studierenden formulierten es indirekt so: Man vertraut künftig weniger dem Menschen hinter dem Schreibtisch als der Qualität der Plattform auf dem Smartphone.

Für Banken ist das eine unbequeme Botschaft. Denn ihre eigentlichen Wettbewerber kommen möglicherweise nicht mehr aus der Finanzbranche. Sie heißen Apple, Google, Amazon oder die nächste Generation KI-gestützter Finanzplattformen. Sie konkurrieren nicht um Kredite oder Girokonten, sondern um Aufmerksamkeit, Nutzererlebnis und Vertrauen.

Die Konsequenz ist klar: Banken müssen aufhören, sich primär als Produktanbieter zu verstehen. Konten, Zahlungsverkehr und Depotlösungen werden zunehmend zur austauschbaren Infrastruktur. Der Mehrwert der Zukunft liegt in Orientierung, Finanzbildung und intelligenter vertrauensvollen Begleitung finanzieller Entscheidungen.

Wer nur Finanzprodukte verkauft, wird austauschbar.

Wer Menschen hilft, finanzielle Kompetenz aufzubauen und bessere Entscheidungen zu treffen, bleibt relevant.

Die Generation Z fordert damit nicht weniger als eine Neuerfindung des Bankgeschäfts. Die Frage lautet nicht mehr, wie die Bank der Zukunft aussieht. Die Frage lautet vielmehr, ob junge Menschen überhaupt noch eine Bank wahrnehmen – oder nur noch die digitale Lösung, die ihre finanziellen Probleme löst.