Resilienz als Pflichtaufgabe für Stiftungen

Warum Stiftungen ihre Strategie regelmäßig neu denken müssen?

Stiftungen werden gegründet, um in der Regel einen gemeinnützigen, manchmal auf einen privatnützigen, Zweck dauerhaft zu erfüllen. Genau dieser Anspruch macht sie zu einer der stabilsten Institutionen unserer Gesellschaft – und zugleich zu einer der herausforderndsten. Denn Dauerhaftigkeit ist kein Selbstläufer. Sie verlangt mehr als nur solide Vermögensverwaltung, mehr als jährliche Ausschüttungsbeschlüsse und mehr als gut gemeinte Einzelprojekte. Sie verlangt strategische Resilienz.

Resilienz bedeutet für Stiftungen nicht bloß Krisenfestigkeit. Gemeint ist vielmehr die Fähigkeit, den Stiftungszweck auch unter veränderten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen wirksam zu erfüllen. Diese Fähigkeit entsteht nicht zufällig. Sie ist Ergebnis bewusster strategischer Entscheidungen – und regelmäßiger Repositionierung.

In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Viele Stiftungen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie sie ihr Vermögen anlegen oder wie viel sie ausschütten können. Dafür gibt es auch hochqualifizierte Profis in der Finanzwelt, was gut und richtig ist. Die vorgelagerte Frage bleibt dagegen oft unbeantwortet: Wie will die Stiftung ihren Zweck künftig erfüllen? Welche Rolle soll sie in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren spielen? Welche Zielgruppen stehen im Fokus, welche Förderlogik ist tragfähig, welche Strukturen unterstützen – und welche behindern – die Zweckverwirklichung?

Gerade aus Sicht der Stiftungsaufsicht ist diese Frage zentral. Die Abgabenordnung verlangt nicht nur formale Gemeinnützigkeit, sondern die tatsächliche und nachhaltige Verfolgung des Stiftungszwecks. Eine Stiftung, die zwar korrekt verwaltet, ihren Zweck aber strategisch nicht mehr zeitgemäß umsetzt, bewegt sich in einem wachsenden Spannungsfeld zwischen Satzung, Praxis und Aufsicht. Resilienz wird damit zu einer Frage der ordnungsgemäßen Stiftungstätigkeit.

Auch aus Sicht des Stifters ist strategische Resilienz von grundlegender Bedeutung. Der Stifterwille ist kein statisches Denkmal, sondern eine Leitplanke für verantwortungsvolle Weiterentwicklung. Ohne regelmäßige strategische Standortbestimmung droht entweder eine schleichende Zweckverengung oder eine faktische Zweckentfremdung – beides mit erheblichen rechtlichen und reputativen Risiken.

Hier gewinnt externe Stiftungsberatung an Bedeutung. Nicht als Produkt- oder Vermögensberater, sondern als unabhängiger Sparringspartner für Zukunftsfragen. Externe Berater schaffen Distanz zu gewachsenen Routinen, moderieren sensible Gespräche zwischen Stifter, Vorstand, Kuratorium und leitenden Mitarbeitenden und helfen, implizite Annahmen explizit zu machen. Sie leisten damit einen Beitrag zur inneren Klarheit der Stiftung – eine Voraussetzung für jede belastbare Finanz- und Fundraisingstrategie.

Erst wenn geklärt ist, wohin sich eine Stiftung entwickeln will, lassen sich die klassischen Themen sinnvoll einordnen: Wie muss das Vermögen strukturiert sein, um diese Strategie zu tragen? Welche Ausschüttungslogik ist nachhaltig? Welche Fundraising-Formate passen zur Identität der Stiftung? Und welche externen Partner – Banken, Großspender, Förderinstitutionen – sollten wann und wie eingebunden werden?

Vor diesem Hintergrund empfehlen viele Experten, Resilienz nicht nur als einmalige Gründungsaufgabe zu verstehen, sondern als wiederkehrenden Prozess. Eine strategische Repositionierung mindestens alle fünf Jahre oder bei grundlegenden Veränderungen ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern Ausdruck verantwortungsvoller Stiftungsführung.

Der nachhaltige Erfolg einer Stiftung entscheidet sich nicht an den Kapitalmärkten, sondern im strategischen Kern: in der Klarheit über Zweck, Rolle und Zukunftsfähigkeit. Resilienz ist damit keine Option, sondern eine Pflichtaufgabe – gegenüber dem Stifter, der Stiftungsaufsicht und nicht zuletzt gegenüber der Gesellschaft, der die Stiftung dienen soll.

Der Autor Edmund Pelikan ist selbst Gründer der gemeinnützigen Stiftung Finanzbildung, Lehrbeauftragter an der Hochschule Landshut und Wirtschaftspublizist. Er gibt sein Wissen und seine Erfahrung als Stiftungsmanager und zertifizierter Stiftungsberater an Dritte weiter. Mit dieser Honorarberatung schafft er die erweiterte monetäre Basis für das gemeinnützige Wirken der Stiftung Finanzbildung für mehr Finanzverständnis und ökonomische Bildung.

Kontakt unter stiftungsberatung@stiftung-finanzbildung.de