Gut leben im Alter: Warum Kapitaldeckung zur Rentenfrage der Zukunft wird

Jona Buechler von der Beruflichen Oberschule Weißenburg i. Bay. ist der Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs „Jugend wirtschaftet!“. In seiner Seminararbeit mit dem Titel „Gut leben im Alter durch kapitalgedeckte Rente – welche Potenziale bieten unterschiedliche Möglichkeiten der Kapitaldeckung?“ setzt er sich mit einer Frage auseinander, die für junge Menschen ebenso relevant ist wie für heutige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Wie kann Altersvorsorge funktionieren, wenn das gesetzliche Rentensystem immer stärker unter Druck gerät?

Im Zentrum seiner Arbeit steht die Analyse des deutschen Rentensystems. Buechler beschreibt die gesetzliche Rente als wichtigste Säule der Alterssicherung, zeigt aber zugleich ihre strukturellen Schwächen auf. Das Umlageverfahren beruht darauf, dass die heutigen Erwerbstätigen mit ihren Beiträgen die aktuellen Renten finanzieren. Dieses Modell funktioniert nur stabil, wenn genügend Beitragszahlende auf eine begrenzte Zahl von Rentnerinnen und Rentnern treffen. Genau dieses Verhältnis verschiebt sich jedoch seit Jahren.

Die Folgen sind absehbar: höhere Bundeszuschüsse, steigende Beitragssätze, ein späterer Renteneintritt oder ein sinkendes Rentenniveau. Buechler greift dabei ein prägnantes Zitat des Ökonomen Axel Börsch-Supan auf: „Wir können nicht alle länger leben und kürzer arbeiten.“ Dieser Satz bringt das Grundproblem auf den Punkt. Wenn Menschen länger Rente beziehen, muss entweder länger gearbeitet, mehr eingezahlt oder zusätzlich vorgesorgt werden.

Genau hier setzt Buechlers Arbeit an. Er untersucht, welchen Beitrag kapitalgedeckte Altersvorsorge leisten kann. Dabei vergleicht er zwei Modelle: den fondsgebundenen Riester-Vertrag und eine modifizierte ETF-basierte Aktienrente am Beispiel des MSCI World. Der Riester-Fondssparplan bietet aus seiner Sicht klare Vorteile. Dazu zählen staatliche Zulagen, steuerliche Förderung und eine lebenslange Rentenzahlung. Besonders Familien mit Kindern und gutverdienende Alleinstehende können davon profitieren. Gleichzeitig zeigt Buechler aber auch deutliche Schwächen. Hohe Kosten, komplizierte Vertragsstrukturen, eingeschränkte Vererbbarkeit und die Beitragsgarantie können die Rendite erheblich mindern. In der Arbeit wird diese Beitragsgarantie treffend als „Renditebremse“ bezeichnet.

Deutlich positiver fällt die Bewertung der ETF-basierten Aktienrente aus. Das Modell sieht vor, einen zusätzlichen Anteil des Bruttoeinkommens langfristig in einen breit gestreuten MSCI-World-ETF zu investieren. Die Chancen liegen vor allem im langfristigen Renditepotenzial, im Inflationsschutz, in niedrigen Kosten und in der Transparenz. Buechler zeigt anhand einer Beispielrechnung, dass schon moderate monatliche Sparbeträge über mehrere Jahrzehnte zu einer spürbaren zusätzlichen Altersrente führen können. In seiner Gesamtabwägung kommt er zu dem Ergebnis, dass die Chancen einer modifizierten ETF-basierten Aktienrente langfristig deutlich überwiegen.

Dabei bleibt die Arbeit ausgewogen. Buechler verschweigt die Risiken nicht. Aktienmärkte können stark schwanken, und gerade ein Kurseinbruch kurz vor Rentenbeginn wäre problematisch. Auch der MSCI World ist nicht frei von Klumpenrisiken, da US-Unternehmen und Technologiewerte stark gewichtet sind. Hinzu kommt ein Währungsrisiko durch die hohe Bedeutung des US-Dollars. Diese Risiken lassen sich nicht vollständig ausschalten, aber durch lange Anlagezeiträume und eine schrittweise Umschichtung in risikoärmere Anlagen vor Rentenbeginn reduzieren.

Das Fazit ist klar: Die gesetzliche Rente bleibt wichtig, wird aber allein kaum ausreichen, um den Lebensstandard im Alter für breite Teile der Bevölkerung zu sichern. Kapitalgedeckte Vorsorge kann diese Lücke nicht automatisch schließen, aber sie kann einen wesentlichen Beitrag leisten. Besonders eine einfache, kostengünstige und breit gestreute Aktienrente erscheint als vielversprechender Baustein für die Zukunft der Altersvorsorge.