Aufbruchstimmung auf dem BÖB KONGRESS 2023 – Finanzminister Lindner verspricht Stärkung der Finanzbildung in Deutschland

Klimakrise, demografische Krise, Energiekrise und Bildungskrise haben nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft, sondern insbesondere auch auf das tägliche Leben der Menschen in Deutschland. Unsicherheit und Unzufriedenheit bei den Bürgerinnen und Bürgern nehmen zu. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, ein grundlegendes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge zu fördern und zu vermitteln. Ökonomische Bildung stellt ein unverzichtbares Schlüsselinstrument zur Bewältigung dar und kann einen Beitrag zur nachhaltigen Überwindung der vielfältigen Krisen leisten.


Wie genau Ökonomische Bildung den Menschen helfen und wie die Schule diese Bildungsaufgabe endlich in hinreichendem Maße ausfüllen kann, diskutierten rund 160 Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung, sowie Schülerinnen und Schüler und junge Erwachsene aus jugendpolitischen Initiativen auf dem zweiten bundesweiten Kongress des Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB) in Berlin.

Bündnis Ökonomische Bildung als wichtiger Impulsgeber zum Start der von Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger und Bundesfinanzminister Lindner ausgerufenen Initiative Finanzielle Bildung

In seinem Impulsvortrag schilderte Bundesfinanzminister Christian Lindner seine Motivation zu der mit Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger gemeinsam gestarteten Initiative Finanzielle Bildung: „Die Verbesserung der ökonomischen und finanziellen Bildung liegt mir ganz persönlich am Herzen, weil Deutschland hier einen großen Nachholbedarf hat. Wer schlechte finanzielle Entscheidungen trifft, wird das langfristig zu spüren bekommen. Deshalb ist die finanzielle Bildung auch Teil einer sozialverantwortlichen Politik, die in unserem Land mehr Fairness herstellen will. Die
Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger und ich haben deswegen eine Initiative zur Stärkung der finanziellen Bildung ins Leben gerufen. Dazu wird gemeinsam mit den Expertinnen und Experten der OECD eine nationale Finanzbildungsstrategie erarbeitet, eine qualitätsgesicherte zentrale Finanzbildungsplattform geschaffen und die Forschungsförderung in diesem Bereich verstärkt. Wir wollen aber nicht alle Angebote selbst neu schaffen. Die bewährten Institutionen und privaten Initiativen sollen eng eingebunden werden. In weiteren Schritten sollen sie mit ihren exzellenten, vielfältigen und individuellen Materialien und Formaten sichtbar gemacht und gebündelt werden.
Damit wollen wir gemeinsam erreichen, dass finanzielle Bildung auch eines macht: Spaß.“

Das BÖB fordert seit seiner Gründung eine nationale Strategie für Ökonomische Bildung. Die Finanzbildung kann hier als ein Teil der Ökonomischen Bildung verstanden werden. Deutschland ist eines der letzten OECD-Länder, das noch nicht über eine nationale Strategie für Finanzbildung verfügt, die die OECD seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 zur Stärkung der Bürgerinnen und Bürger und zur Stabilisierung der Gesellschaft empfiehlt. Damit droht Deutschland, den Anschluss zu verlieren. Die BÖB-Vorsitzende Verena von Hugo sieht in der Initiative von BMF und BMBF einen wichtigen ersten Schritt.

Nächster Etappenpunkt der Initiative ist laut Staatssekretär der Bundesbildungsministerin, Dr. Jens Brandenburg, die Konferenz „Finanzielle Bildung für das Leben“ Anfang Dezember in Berlin. Dabei sollen Inhalte und Impulse erörtert werden, die anschließend in die geplante Finanzbildungsstrategie einfließen. „Finanzielle Bildung ist ein wesentlicher Teil der Allgemeinbildung und stärkt die Chancengerechtigkeit. Der Zugang zu finanzieller Bildung darf keine Frage der sozialen Herkunft sein. Deswegen erarbeiten wir eine Nationale Finanzbildungsstrategie. Dabei suchen wir Unterstützung durch die OECD und werden Teil einer großen Gemeinschaft von Ländern, die Finanzbildung ganz oben auf die politische Agenda setzen“, betonte Brandenburg auf dem BÖB KONGRESS 2023. „Fokussiert Grundlegendes unterrichten und das vertieft.“, lautete dazu die Forderung des OECD-Direktors und PISA-Chefs, Andreas Schleicher, auf dem BÖB KONGRESS.

KMK-Präsidentin Günther-Wünsch: Ökonomische Bildung legt den Grundstein für
eine zukunftsfähige Arbeitswelt

Katharina Günther-Wünsch, Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), sieht Wirtschafts- und Finanzbildung als wesentliche Kernkompetenz des 21. Jahrhunderts. In ihrem Vortrag „Arbeitswelt im Wandel“ betonte sie: „In der von technologischem Fortschritt geprägten, sich ständig wandelnden globalen Wirtschaft können einzelne Entwicklungen wie beispielsweise Künstliche Intelligenz (KI) die bereits rasanten Veränderungen weiter Beschleunigen und zu nie dagewesenen Herausforderungen führen. Die Aufgabe der Schulen ist es, das nötige Rüstzeug zu vermitteln, damit ein souveränes und erfülltes Leben möglich ist. Eine praxisorientierte Ökonomische Bildung ist dabei unverzichtbar, damit unsere Schülerinnen und Schüler in der zukünftigen Arbeitswelt bestehen können.“ In ihrem Impulsvortrag betonte Günther-Wünsch, dass ein Fach Wirtschaft auf den Stundenplan müsse und sie sich dafür einsetzen werde.

Schülerinnen und Schüler fordern Partizipation

Auf dem BÖB KONGRESS unterstrichen Schülerinnen und Schüler sowie Vertreterinnen und Vertreter von jugendpolitischen Initiativen die große Nachfrage der Jugendlichen nach einer fundierten Wirtschafts- und Finanzbildung. Grundsätzlich schlug Wiebke Maibaum, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, eine Verbesserung der Berufsorientierung vor, die beispielsweise die Angebote der mittelständischen Wirtschaft in den Regionen bekannter machen. Weitere Schülerinnen und Schüler vom Herbartgymnasium Oldenburg, der Hohen Landesschule Hanau und der Gemeinschaftschule Neumünster-Brachenfeld befragten Bundesfinanzminister Lindner kritisch und wollten unter anderem wissen, warum er die Ökonomische Bildung auf finanzielle Bildung verenge und wie er den Gründergeist schon in der Schule fördern wolle.

Die am Vortag anlässlich der Mitgliederversammlung im Amt bestätigte Vorstandsvorsitzende des BÖB, Verena von Hugo, zieht ein positives Fazit zum Abschluss des BÖB KONGRESS 2023: „In Zeiten multipler Krisen mit komplexen Herausforderungen haben wir auf unserem Kongress viele wertvolle Denkanstöße und Impulse herausgearbeitet und Wege aufgezeigt, wie Ökonomische Bildung einen signifikanten Beitrag zur Befähigung der Bürgerinnen und Bürger, insbesondere junger
Menschen leistet und zum vertieften Verständnis vieler aktueller Probleme und Entschärfung beitragen kann. Das macht Hoffnung und unterstreicht, welches Potenzial in einer verbindlich verankerten Ökonomischen Bildung steckt. Den vielen Worten müssen nun Taten folgen. Ideen, Konzepte und Versprechungen müssen umgesetzt werden! Für die Modernisierung des Bildungswesens müssen die Kultusministerinnen und -minister neben den zahlreichen akuten Herausforderungen wie Lehrkräftemangel, Digitalisierung und Post-Corona-Defiziten auch den Fächerkanon zukunftsfit machen. Dabei ist es zentral, dass Ökonomische Bildung inhaltlich wie strukturell gestärkt wird, damit die jungen Menschen vorbereitet werden auf ein auch wirtschaftlich geprägtes Leben nach der Schule und nicht orientierungslos dem reinen Erfahrungswissen ausgesetzt werden.“