SACHWERTANBIETER BRAUCHEN LUFTRÖHRENSCHNITT

Mediale Wahrnehmungsstörung könnte die Reputationsprobleme vergrößern

Kommentar von Edmund Pelikan – Stiftung Finanzbildung und Lehrbeauftragter an der Hochschule Landshut

Was war der Grund, der mich zu diesem Kommentar inspiriert hat: In einer Befragung unter wichtigen Multiplikatoren zeigte sich, dass diese im Wesentlichen nur ein oder zwei Magazine entscheidungsrelevant heranziehen. Hinter einem davon steht eine große Finanzberatermesse, deren Teilnehmer und Aussteller nur noch sehr selektiv zugelassen werden. Diese Veranstalterarroganz wird durch den Markt fast klaglos hingenommen. Weil dieser Anbieter sitzt ja auf den Zugang zu den Vertriebsmultiplikatoren. Mich irritiert dabei, dass dieser Veranstalter gleichzeitig vor Jahren auch einen verurteilten Straftäter wie den berüchtigten „Wolf of Wallstreet“ zum Motivationsreferat lädt. Der Markt ist sich des extremen Einflusses bewusst, handelt aber devot. Andere langjährige Fachmedien werden zunehmend ignoriert oder sogar belächelt.

Ich sehe zwei wesentliche mediale Wahrnehmungsstörungen

Der erste Denkfehler: Finanzberater – insbesondere bei Sachwertinvestments mit einem durchschnittlichen Alter von jenseits der 50 – verlieren zunehmend den Zugang zum Anleger. Zunehmend holen sich diese Anleger die Information direkt aus dem Netz. Ob das gut oder schlecht ist, ist dabei irrelevant.

Wo liegt nun der zweite Irrtum in der Entscheidung, sich nur noch auf ein oder zwei Newsmultiplikatoren zu konzentrieren? Die Sachwertanbieter schaffen selbst ohne Not ein Monopol und schneiden sich damit von medialen Alternativen ab. Die Fachjournalisten, die bisher die Branche aus Überzeugung positiv-kritisch begleitet haben, ziehen sich sukzessive aus dem Markt zurück. Wenn der Markt ausschließlich auf ein oder zwei Medienmultiplikatoren setzt, entzieht dem Rest die Werbeeinnahmen. Die Guten sterben leise. Zurück bleiben jene, deren Geschäftsmodell auf Schaden und Verdacht basiert – und die sich darüber eine faktische Marktmacht erarbeitet haben und letztendlich über Beratung dann die Nachjustierung der Fakten teuer berechnen.

Man setzt lieber auf Medienagenturen, die 50 bis 80 Prozent des Medienbudgets der Anbieter erhalten. Die Annahme ist, dass diese Presseprofis die Sachwertanbieter kostenfrei in den großen Magazinen platzieren. Aber warum sollten Fachverlage, die meist selbst um jeden Auftrag und Anzeigenkunden kämpfen, kostenfrei ein redaktionelles Advertorial abdrucken? Die Sachwertanbieter sollten doch einfach direkt mit den Redaktionen sprechen. Keiner hat an gefilterte und geglättete Worthülsen mehr Interesse. Wenn die Fakten gut sind, brauchen diese keinen Dolmetscher. Das erkennen gute Journalisten.

Noch eine Illusion ist, dass die großen Tageszeitungen wie Welt, Süddeutsche, FAZ oder sogar das Handelsblatt auf Berichte von Medienagenturen von Nischenmärkten warten. Diese pfeifen auf monetäre Hofberichterstattung. Zudem sind Themen rund um AIF oder ELTIF für diese Medien zu spitz. Hinzu kommt die schlechte Reputation des Marktes nach den Insolvenzen von Immac Hamburg, Project Investment Bamberg oder One Group Hamburg aber auch der verwandten Offenen Immobilienfonds, um nur einige zu nennen. Sachwertinvestments gelten als intransparent, wenig Anlegerorientiert und liegen derzeit wie Blei in den Regalen. Dass der deutliche Umsatzrückgang für AIF auf nicht einmal 400 Millionen Euro im Jahr 2025 und der nur schleppende Start von ELTIF 2.0 ein deutlicher Warnschuss ist, scheint den handelnden Personen nicht bewusst zu sein. Guten Anbietern von Sachwertanbietern im Publikumssegment brauchen, wenn sie wieder Atem bekommen sollen, einen Luftröhrenschnitt.

Meine Prognose für die Entwicklung binnen drei bis fünf Jahren

Zwangsläufig kommt es zu einer Stärkung kritischer und teilweise auch zerstörerischer Medien, die den Markt schon länger prägen. Die Wahrnehmung wandert von einem Sachwert-Himmel zu einer Sachwerte-Hölle. Teilweise ist die Kritik berechtigt. Teilweise handelt es sich um den klassischen Blick auf ein halb leeres statt halb vollen Glases. Leider sind in diesem Bereich auch mediale Hasardeure unterwegs, die aus schlechten Nachrichten ihren Profit ziehen. Dem steht dann ein enges Berichterstattungsmonopol gegenüber. Das Ergebnis für die Kauflust von Anlegern wird dies nicht zuträglich sein – schwer insbesondre für Qualitätsanbieter. Die Sachwertanbieter werden, wenn sie nicht aufpassen, zwischen negativen Nachrichten via Soziale Media und Multiplikator-Monopolen zerrieben werden. Denn die Welt der KI und sozialen Medien funktioniert so, dass Negativmeldungen nach oben gespült werden und dort dauerhaft lesbar sein werden.

Die zweite Voraussage ist meine Skepsis zum klassischen Beratermarkt für Sachwerten mit dem Zielfokus Endkunden, der sich binnen weniger Jahren in Luft auflösen wird oder sich auf ganz wenige konzentrieren. Politisch nicht gewollt, zu Tode reguliert und damit für mündige Anleger zunehmend in der Kritik. Die Berater, die ihr Geld aus Anlegersicht wert sind, werden immer weniger. Lediglich die auf Profianleger ausgerichteten monetäre Fachberater oder Honorarberater werden weiter erfolgreich sein und sogar expandieren.

Meine Erkenntnis, die ausschließlich Sachwert-Anbieter umsetzen können

 Zugegeben bin ich stark geprägt durch jahrzehntelange Erfahrung im Sachwertmarkt. Auf den Punkt gebracht lautet daher mein Rat: das gute alte Sprichwort „Leben und leben lassen“ sollte wiederbeleben werden. Positiv-kritische und unabhängig denkende Marktbeobachter wie auch Berichterstatter sollten als das gesehen werden, was sie sind – ein wichtiges und marktbedeutendes Gegengewicht zu Sozialen Medien und KI-Algorithmen. Der Markt braucht positive wie auch kritische Marktberichte, um in Balance zu bleiben. Und zwar zum Wohle mündiger Anleger und Investoren, die sich eine unabhängige Meinung bilden wollen. Jede andere Zukunft beschleunigt den Marktabsturz und verhindert nachhaltige Marktbelebung bei Publikumsfonds.

Warum nun dieser Kommentar: Der monetäre Dreiklang der Stiftung Finanzbildung ist Vertrauen schaffen, Verantwortung übernehmen, Verständnis entwickeln. Nicht nur bei Schülerinnen oder Studierenden – sondern auch bei allen wertorientierten Stakeholdern. Und das sind Sie, Sie und auch Sie.

Denken Sie in Werten – im doppelten Sinn.
Ihr Edmund Pelikan